Schulterblick wird 15 Jahre alt – ein Anlass, zurückzublicken und nach vorn zu schauen.
„Wenn ich auf die vergangenen Jahre zurückblicke, sehe ich ständige Entwicklung und viel Menschlichkeit. Genau das ist die große Stärke dieser Radfahrschule“, sagt Sophia Posch, langjähriges Vorstandsmitglied. “Schulterblick hat Herausforderungen angenommen, ist daran gewachsen und ist sich dabei treu geblieben”, ergänzt Marlene Mellauner, die die Schule seit vielen Jahren begleitet.
„Die Stimmung erinnert noch immer an die Anfänge: Aufbruch, Freude am gemeinsamen Tun.”
“15 Jahre Schulterblick: Wir gestalten Veränderung und sind Teil der Mobilitätswende. Wir haben uns laufend weiter entwickelt. Und wir haben in der Stumpergasse ein Gassenlokal gefunden, wo wir uns wirklich wohlfühlen. Unser Teamgeist ist über die Jahre sogar noch stärker geworden”, schließt Robert Fuchs, der Gründer von Schulterblick.
Gutes Miteinander als Ziel in Radfahrkursen und im Team
„Beim Radfahren im Stadtverkehr geht es nicht darum, ständig auf andere Rücksicht zu nehmen. Sondern es geht darum, die Begegnungen mit anderen so zu gestalten, dass es für alle Beteiligten angenehm ist. Wenn man gut miteinander auskommt, haben alle etwas davon, vor allem ich selber!“, sagt Robert. Deshalb setzt sich Schulterblick von Anfang an für ein gutes Miteinander ein. So kommen alle entspannter ans Ziel.
Ein gutes Miteinander zu leben ist eine Kompetenz. Sie ist letztlich die Antwort auf alle großen Probleme unserer Zeit.
2016 startete Schulterblick die erste interne Ausbildung für Radfahrlehrer:innen im Team. Seit 2017 findet sie jährlich statt. So bildet Schulterblick neue Lehrkräfte aus und integriert sie ins Team.
Wachstum und Qualität
Schulterblick ist laufend gewachsen und hat immer einen guten Teil der vorhandenen Mittel in die Qualität der Radfahrkurse investiert.
Vor jedem Kurs nehmen wir uns Zeit für die Einschulungen. Wir vergüten diese Zeit. Für die verschiedenen Standorte haben wir Leitfäden entwickelt und überarbeiten sie regelmäßig. Zudem setzen wir uns intensiv mit pädagogischen Fragen auseinander.
Unser Ziel ist, dass sich die Kinder von Anfang an wohl und gut aufgehoben fühlen. Dafür nehmen wir uns Zeit. Wir verstehen uns als Gastgeber:innen der Radfahrkurse.
Wir sprechen jedes Kind mit Namen an. Zu Beginn eines Kurses verteilen wir Namensschilder, nicht nur an die Radfahrlehrer:innen, sondern auch an die Kinder. So schaffen wir Raum für ihre Bedürfnisse und begegnen ihnen auf Augenhöhe.
Viele Kinder kommen mit Ängsten: „Ich kann das nicht! “, „Ich blamiere mich! “ Wir helfen ihnen, diese Sorgen zu überwinden. Gleichzeitig lösen wir nach Möglichkeit die Rollen auf, die sie aus der Schule mitbringen. Nicht nur die Lauten und Mutigen sollen zu Wort kommen.
Wir hören allen zu. Wir laden die Kinder ein, mitzumachen. So schaffen wir eine Atmosphäre, in der das Üben Freude macht.
Teamgeist bei Schulterblick
Diese Haltung prägt nicht nur unsere Arbeit mit den Kindern, sondern auch das Miteinander im Team.
Der Teamgeist hat immer eine große Rolle gespielt. Seit 2022 lädt der Vorstand von Schulterblick zweimal jährlich zu Klausuren ein. Das Team bringt die Themen oft selbst ein oder legt sie im monatlichen Jour fixe fest.
Mal steht die interne Kommunikation im Mittelpunkt, im Frühjahr 2023 rückte die Vision ins Zentrum: Wozu gibt es Schulterblick? Was tun wir konkret als Radfahrschule? Und wie gehen wir dabei miteinander um? So integrieren wir auch neue Radfahrlehrer:innen ins Team. 2024 richteten wir den Fokus auf die Sichtbarkeit unserer Radfahrschule und entwickelten Ideen, wie wir unsere Kursformate an die kalte Jahreszeit anpassen.
2025 unternahmen wir einen Betriebsausflug in die Landwirtschaft, 2026 folgte unser erstes Bauprojekt: Gemeinsam errichteten wir unsere Grätzloase »SchuBli«, um unsere Zentrale ins Grätzl zu erweitern. Seit zwei Jahren dient unsere Zentrale in der Stumpergasse im Bezirk Mariahilf als Anlaufstelle für alle Interessierten.
Zuvor machten wir Station in der Hernalser Hauptstraße und nutzten ab Anfang 2023 die Räume der Grünen mit. Heute erscheint es unvorstellbar, dass wir jahrelang keinen festen Ort für Schulterblick hatten und uns meist in den privaten Wohnungen der Engagierten trafen.
Persönliche Rückblicke
„Ein Highlight war für mich sicher mein Anfang bei Schulterblick. Sophia hat mir von den tollen Menschen dort erzählt und dass ich gut dazu passen würde. Ich habe mich auf die Stelle als Vorstandsassistenz beworben, wurde genommen und habe mich sofort mit allen wohlgefühlt. Jetzt bin ich seit drei Jahren dabei und seit einem halben Jahr Vorstandsmitglied. Besonders schätze ich das Vertrauen und die Wertschätzung, die mir mit dieser Position entgegengebracht wird. Die Offenheit, die ich bei Schulterblick spüre – für Menschen, Ideen und dafür, sich auszuprobieren und die Komfortzone zu verlassen – möchte ich erhalten“, erzählt Anita. So war es auch beim Radgipfel, wo Anita und Robert ihren Vortrag ganz anders präsentierten, als Robert es sich vielleicht vorgestellt hatte.
“Gemeinsam mit Robert und vielen anderen an diesem Herzensprojekt zu arbeiten; Radfahrkurse für alle* zu gestalten; das Team zu begleiten; die eigenen Vereinsstrukturen weiter zu entwickeln; den Blick aufmerksam nach innen zu richten und nach außen nicht zu verlieren; all das hat mir immer sowohl als Radfahrlehrerin als auch als Vorstandsmitglied große Freude gemacht.” blickt Sophia vor allem auf die Anfangsjahre zurück.
Auftraggeber:innen auf Augenhöhe
Die Zusammenarbeit mit unseren Auftraggeber:innen hat sich im Laufe der Jahre in Richtung gemeinsames Gestalten entwickelt. Die Kooperation läuft hervorragend und beruht auf gegenseitiger Wertschätzung.
Die Mobilitätsagentur Wien entstand etwa zur gleichen Zeit wie Schulterblick. Uns verbindet eine langjährige Zusammenarbeit. Sie unterstützt Radfahrschulen, indem sie Übungsplätze und Fahrräder für Radfahrkurse mit Schulklassen bereitstellt. Am Wochenende nutzen auch Familien diese Angebote bei den Offenen Trainings. Beide Formate – Schulklassen-Kurse und Offene Trainings – stoßen auf große Resonanz. Zusätzlich veranstaltet Schulterblick im Auftrag der Mobilitätsagentur während der Sommerferien Sommerradwochen: fünf Tage Radfahren für Kindergruppen.
Seit einigen Jahren stellt auch der Bund Mittel bereit, um Schüler:innen den Einstieg in aktive Mobilität zu erleichtern. Im Programm klimaaktiv mobil können Schulen in ganz Österreich mitmachen. Schulterblick setzt in Wien zahlreiche Radfahrkurse in Zusammenarbeit mit der Energieagentur und der Mobilitätsagentur Wien um.
Schulterblick hat ein Konzept für vierstündige Verkehrsraumkurse entwickelt, das sich an Schulklassen richtet. In Kooperation mit Radland NÖ und der Wiener Gesundheitsförderung – WiG können Lehrer:innen diese Kurse kostenlos buchen. Im Kurs haben die Schüler:innen ausreichend Zeit, um das Radfahren im Straßenverkehr umfassend zu verstehen und praktisch zu üben. Außerdem entdecken sie das Radfahren als umweltfreundliche Form der Mobilität.
Etwas anderes, aber ebenso spannend: Rollerworkshops für Schulklassen. Für das Projekt »Radeln und Rollern« der Wiener Gesundheitsförderung hat Schulterblick ein Konzept für Rollerworkshops entwickelt, das sich von Anfang an bewährt hat.
Wir schätzen auch die gute Zusammenarbeit mit der Arbeiterkammer Wien und den Wiener Linien. Seit 2020 bzw. 2022 bieten wir regelmäßig Räderchecks und Radreparaturworkshops an, ebenso Kurse zum Radfahren im Stadtverkehr.
Seit 2011 hat sich viel getan: Radfahren gilt heute als wichtiger Teil der Mobilitätswende. Kaum jemand bezweifelt noch, wie sinnvoll es ist, die Bedingungen dafür zu verbessern – auch durch Kurse und Workshops.
Highlights der letzten Jahre
„Gemeinsam etwas schaffen – das steht bei Schulterblick für mich im Mittelpunkt“, sagt Marlene. Diese Haltung: einfach machen, beherzt zupacken, mit der Zuversicht, dass es gelingt. Schulterblick hat sich immer wieder an Projekte gewagt, deren Ausgang offen war, und gesagt: „Klar, das machen wir!“ Zum Beispiel die Sebus-Kurse mit behinderten Menschen oder die Zusammenarbeit mit dem Projekt Integrationshaus.
Fragt man Robert nach einem Highlight der vergangenen Jahre, muss er erst überlegen. Es gab so viele Radfahrkurse, oft mit tollen Erlebnissen.
Besonders in Erinnerung geblieben sind ihm die Radfahrkurse mit Sonderschulklassen. Erst kürzlich fand einer in Wolkersdorf statt. Bei den Kindern ist die Angst deutlich spürbar. Zu Beginn will kaum jemand das Radfahren ausprobieren. Viele wollen nur zuschauen, manche verstecken sich sogar. Am Ende sagen sie dann:
„Das war der schönste Tag meines Lebens!“
Die Kinder aus Sonderschulklassen sind sehr spontan und ganz bei sich. Sie sind ehrlich und authentisch. Coolness spielt hier keine Rolle. Wie gelingt das?
Zu Beginn bricht ein Junge das Eis: „Robert, ich bin total aufgeregt!“ Robert antwortet: „Ja, das bin ich auch!“ Die Kinder dürfen sich langsam und in ihrem eigenen Tempo herantasten. Zuerst stellen sie sich nur zum Fahrrad. Dann werden Fotos gemacht. Noch schöner sind die Fotos, wenn man auf dem Fahrrad sitzt. Die Kinder fassen zu uns Radfahrlehrer:innen immer mehr Vertrauen. Die Angst schwindet. Schließlich haben sie eine wahnsinnige Freude.
„Es geht doch! Es geht nicht ums gleich Können, sondern darum, dass man geübt hat, dass man sich getraut hat!“
Neben diesen besonderen Momenten in den Kursen bleiben auch die gemeinsamen Orte und Erlebnisse im Team in Erinnerung. “Das Büro in der Stumpergasse ist für mich ein Highlight”, schließt Anita an. “Dort gibt es viel eigenen Platz und Raum zum Gestalten. Jetzt kommt mit der Grätzloase noch die Erweiterung nach draußen dazu. Auch ihr Bau und die ganzen Klausuren sind für mich immer Highlights mit dem Team. Dabei lernt man andere Seiten aneinander kennen als die klassische Büroseite, die ich bei vielen kenne. Und umgekehrt.”
Ausblick: Wohin geht die Reise?
Nach 15 ereignisreichen Jahren richtet sich der Blick nach vorn: Was soll bleiben, und wie soll sich Schulterblick weiterentwickeln?
“Mit der großartigen Arbeit, die Schulterblick leistet, fällt es leichter, mit Zuversicht in die Zukunft der Mobilität zu schauen.” blickt Sophia auf ihre Jahre als Vorstandsmitglied bei Schulterblick zurück.
Schulterblick – die Radfahrschule für ein gutes Miteinander – will sich weiter etablieren und den Gemeinwohlgedanken verbreiten. Dieser prägt die Mobilitätsbildung heute schon viel stärker. Wir pflegen noch eher wenig Kontakte zu anderen, die ähnlich denken. Als Bestätigung und Synergie stellt sich die Frage: Wie vermitteln wir das überzeugend – auch medial? Wie erreichen wir mehr Menschen? Wir wollen zeigen, dass wir nicht allein sind, keine Einzelkämpferin. Das wollen wir noch ausbauen.
In den letzten Jahren haben wir viel für Kinder getan und Strukturen geschaffen. Jetzt wollen wir Erwachsene stärker ansprechen. Es soll selbstverständlich werden, als Erwachsener einen Radfahrkurs zu besuchen und die eigene Kompetenz zu erweitern. Wer als Kind nicht das Glück hatte, radbegeisterte Eltern zu haben, sucht heute gezielt nach solchen Angeboten – und wird nicht immer fündig. Einzelne Projekte und Privatkurse bei Schulterblick bestätigen deutlich: Erwachsene brauchen wie Kinder ausreichend Zeit zum Üben. Besonders wirksam werden Kinderkurse, wenn wir die Eltern einbeziehen.
“Trotz aller Professionalisierung, die weitergehen wird, werden wir das Individuum und die individuellen Wünsche im Blick behalten.”
schließt Anita. “Schulterblick ist immer gewachsen, ob in der Breite oder in der Tiefe – was ich mir wünsche, ist ein weiteres Wachstum in die Tiefe: eine Verankerung. Damit Radfahrkurse finanziell selbstverständlich werden – ich denke, das hat sich Schulterblick, das haben sich die hart arbeitenden kleinen Radfahrschulen in Österreich, und das haben sich alle Radfahrenden redlich verdient!” blickt Marlene in die Zukunft.
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